Ein Tag den Göttern gleich

„Den Götterrn gleich“ mag vielleicht ein wenig übermütig klingen, aber in vielen Momenten des gestrigen Tages, haben wir uns zumindest wie Götter gefühlt.

In der Früh steigen alle bei grauem Himmel und leichtem Regen in den Bus. Aber diesmal geht es nicht so weit weg. Wir fahren durch München, um auf gemütliche Art und Weise in unserer Riesenkutsche thronend, die Stadt zu besichtigen.

Der erste Halt ist die Ost-West-Friedenskirche am Olympiapark. Die Überlieferung besagt, dass Väterchen Timofei (ein russischer Eremit) eine Vision hatte, nachdem seine ersten beiden Kirchen zerstört worden waren. In dieser Vision soll ihm die heilige Maria erschienen sein und ihm den Ort genannt haben, an dem seine Kirche nun bis heute steht – im Oberwiesenfeld. Was dort zu finden ist, mag für manche wie aus einem Märchen stammen. Schmale Kieswege führen durch naturbelassenes Grün. Eine kleine Kapelle steht am Ende des Weges. Der Kapelle gegenüber steht ein kleines Häuschen mit tiefen Decken und Schornstein, an dem Schilder mit der Aufschrift „Museum“ angebracht sind. Im Innern sind die Wände voller Bilder, Zeitungsartikel und Grußkarten. Mir wird erzählt, dass es typisch für ukrainisch/russische Häuser ist, dass der Türrahmen so niedrig ist, dass sich nahezu jeder darunter hinwegbücken muss. Auf diese Art und Weise muss sich nämlich jeder, der in das Haus hinein tritt, verbeugen. So zeigt man seinen Respekt vor dem Hausbesitzer und den Dank für den Schutz, der das Haus bietet. Mir gefällt das sehr gut. Denn in dieser schnelllebigen Welt, in der wir leben, ist uns oft gar nicht bewusst, was es bedeutet ein Dach über dem Kopf zu haben, einen Ort zu haben, an dem man Willkommen geheißen wird.

Danach geht es mit dem Bus zum Schloss Nymphenburg. Inzwischen herrscht königliches Wetter und bereits in der Einfahrt lässt sich ein raunendes „Ooohhh“ vernehmen. In Ruhe schauen wir uns alles an und machen einen kleinen Spaziergang durch den Garten des Schlosses, welcher mit Statuen der griechischen Götter ausgestattet sind. Zeus, Aphrodite und Co. sind für ein Stück unsere Wegbegleiter. Zumindest solange bis unsere Bustour weitergeht.

Die letzte Station ist der Marienplatz, von dem aus wir gemütlich Richtung Sendlinger Tor schlendern. Ständig unter Erzählungen von Anekdoten und geschichtlichen Ereignissen unseres Stadtführers. So passieren wir beispielsweise die St. Peterskirche, die die älteste Kirche Münchens ist und maßgeblich an der Namensgebung der Stadt beteiligt war. München wurde nämlich ursprünglich nur „Markt bei den Mönchen“ genannt. Der Sitz dieser Mönche war die St. Peterskirche. Später wurde aus „Mönchen“ München und so hält sich der Name und die Kirche bis heute. Nach einer freien Nachmittagsgestaltung treffen wir uns abends zum Essen und sind durch die Malereien an den Wänden wieder in Begleitung von Göttern und Sagen. Das merkt man vielleicht auch am Essen, denn allen schmeckt es. Und so lassen wir den Abend, an dem wir uns mit den vollen Bäuchen und imposanten Eindrücken vielleicht ein bisschen wie Götter fühlen, noch gemütlich ausklingen.

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